# VDE-AR-N 4100:2026-04 — Die neue Anwendungsregel

Quelle (HTML): https://mfm.energy/elektrotechnik-wissen/vde-ar-n-4100/

## VDE-AR-N 4100:2026-04 — was sich ab April 2026 für Ihre Elektroanlage ändert

Die VDE-AR-N 4100 ist die zentrale Anwendungsregel für den Anschluss und Betrieb von Kundenanlagen am Niederspannungsnetz. Mit der Ausgabe 2026-04 wird sie grundlegend überarbeitet — und betrifft praktisch jeden, der eine PV-Anlage, Wallbox, Wärmepumpe oder einen Batteriespeicher installieren möchte.

Wir haben die neue Norm aus Handwerkersicht aufgearbeitet: Was ist wirklich neu? Was bedeutet das für Sie als Eigenheimbesitzer oder Gewerbekunden? Und vor allem: Welche Anpassungen sind sicherheitstechnisch zwingend — und welche sind nur Hersteller-Verkaufsargumente?

### Wann gilt die neue Anwendungsregel?

### Für wen gilt die VDE-AR-N 4100?

Die Anwendungsregel umfasst die technischen Anforderungen, die bei Planung, Errichtung, Anschluss und Betrieb von Kundenanlagen am Niederspannungsnetz beachtet werden müssen. Konkret betrifft das:

- Neue Bezugsanlagen — alle Stromanschlüsse von Privathäusern, Mehrfamilienhäusern und Gewerbeobjekten

- Erzeugungsanlagen — in Verbindung mit der VDE-AR-N 4105 (PV, BHKW, Notstromaggregate)

- Speicheranlagen — stationäre Batteriespeicher und Hauskraftwerke

- Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge — alle Wallboxen ab 4,2 kW

- Ersatzstromerzeuger — für Notstromversorgung

- Anschlussschränke im Freien (NEU in 2026-04)

- Anlagen mit halbindirekter Messung bis 1000 A (NEU — vorher gab es separate Regelwerke)

### Acht Situationen, in denen Ihre Anlage angepasst werden muss

Die Norm regelt klar, wann eine bestehende Anlage an die aktuellen Anforderungen angepasst werden muss. Mindestens eine dieser Situationen trifft auf nahezu jede moderne Installation zu:

### Kurzschlussschutz — die unsichtbare Anforderung

Eine der wichtigsten technischen Anforderungen der VDE-AR-N 4100 betrifft das Kurzschlussausschaltvermögen der Schaltgeräte. Ein Kurzschluss erzeugt enorme Ströme — Schaltgeräte müssen diese sicher beherrschen, sonst drohen Brände oder Explosionen im Schrank.

### Stromsensoren im Vorzählerbereich — komplett neu geregelt

Eine der wichtigsten Neuerungen der VDE-AR-N 4100:2026-04 betrifft Stromsensoren vor dem Zähler. Bisher war das ein rechtliches Graubereich — jetzt gibt es klare Regeln. Das ist besonders relevant für PV-Anlagen mit Lastmanagement, Energiemanagementsysteme (EMS) und Wallboxen mit dynamischem Lastmanagement.

Die Norm erlaubt jetzt explizit den Einsatz von Stromsensoren im Vorzählerbereich für fünf Zwecke:

- Dynamisches Lastmanagement für Ladeeinrichtungen — z. B. bei mehreren Wallboxen, die sich die verfügbare Hausanschlussleistung teilen müssen

- Symmetrieeinrichtungen — zur gleichmäßigen Belastung der drei Außenleiter (besonders wichtig bei Speichern und PV-Anlagen)

- Visualisierung des Gesamtenergiebedarfs — Energie-Monitoring für den Hausbesitzer

- Energiemanagementsysteme (EMS) — z. B. Loxone, intelligentes Steuern von PV-Überschuss zur Wallbox oder Wärmepumpe

- Einspeiseüberwachung (PAV,E) — Begrenzung der Wirkleistungseinspeisung nach EEG

Die Regeln im Detail:

- Maximal 4 Stromsensoren je Kundenanlage (3 Außenleiter + 1 N/PEN)

- Maximal 1 VA Leistungsentnahme je Außenleiter (Sensor, Leitung, Klemmen, Auswerteeinheit zusammen)

- Spannungsversorgung der Auswerteeinheit aus dem gemessenen Bereich (also hinter dem Zähler)

- Gehäuse müssen plombierbar ausgeführt sein (Schutzklasse II, IP31)

- Anschlussleitungen H07V-K mindestens 1,5 mm², durchgehend und ungeschnitten

- Verboten: Einbau im Hausanschlusskasten oder in anderen Übergabestellen

### Steuerung nach §14a EnWG

Die VDE-AR-N 4100 setzt die Vorgaben der Bundesnetzagentur zur Steuerung nach §14a EnWG technisch um. Steuerbare Verbrauchseinrichtungen — Wallboxen, Wärmepumpen, Klimaanlagen ab 4,2 kW, stationäre Speicher und bidirektionale Ladeeinrichtungen — müssen vom Netzbetreiber im Bedarfsfall gedimmt werden können.

Für ältere Geräte ohne digitale Schnittstelle (z. B. ältere Wärmepumpen) erlaubt die Norm in einer Übergangsphase die Steuerung über potentialfreie Relaiskontakte. Das Enddatum dieser Übergangsphase wird in einer der nächsten Revisionen festgelegt — voraussichtlich nicht vor 2028.

### Überspannungsschutz — wann wirklich Pflicht?

Die VDE-AR-N 4100 verweist beim Überspannungsschutz auf die DIN VDE 0100-443 (Bedarfsermittlung) und DIN VDE 0100-534 (Auswahl und Errichtung). Die Kernaussage ist eindeutig:

Der Überspannungsschutz unterscheidet zwischen SPD Typ 1 (Blitzstrom-Ableiter, gegen direkte Blitzeinschläge) und SPD Typ 2 (Überspannungs-Ableiter, gegen induzierte Überspannungen aus dem Netz). Für SPD Typ 1 im Hauptstromversorgungssystem gelten besonders strenge Anforderungen:

- Konformität mit DIN EN 61643-11, nachgewiesen durch ein akkreditiertes Prüfzeichen

- Bei innerem Kurzschluss dauerhafte Trennung vom Netz

- Nur spannungsschaltende SPDs (Funkenstrecke) — Varistoren sind im Hauptstromversorgungssystem nicht zulässig

- Keine LEDs oder Energieentnahme — der SPD darf keinen Strom verbrauchen

- Kurzschlussfestigkeit ISCCR mindestens 25 kA

- Folgestrom darf die Hausanschlusssicherung nicht auslösen

- Plombierbares Gehäuse, Statusanzeige ohne Öffnen prüfbar

Bei Freileitungseinspeisung ist SPD Typ 1 grundsätzlich Pflicht und sollte möglichst nahe am Zählerschrank angeordnet werden. Im ländlichen Raum der Region Hannover ist das ein häufiger Fall.

### Was die neue Norm ersetzt

Mit der VDE-AR-N 4100:2026-04 werden gleich mehrere bisherige Regelwerke ersetzt oder integriert. Das macht die Anwendung deutlich einfacher, weil nicht mehr in verschiedenen Dokumenten nachgeschlagen werden muss:

- FNN-Hinweis „Hinweise für die Errichtung von mehreren Netzanschlüssen am Niederspannungsnetz" (Ausgabe 2023)

- FNN-Hinweis „Erfassung von Messwerten im Vorzählerbereich" (Ausgabe 2023)

- FNN-Hinweis „Zählerplätze mit halbindirekten Messungen bis 1000 A in der Niederspannung" (Wandleranlagen, Ausgabe 2022)

- FNN-Hinweis „Anforderungen für den symmetrischen Anschluss und Betrieb nach VDE-AR-N 4100:2019"

Zusätzlich wurden Inhalte aus dem FNN-Hinweis „Zählerplätze in Bestandsanlagen" (2023), der FNN-Studie zur Unsymmetrie in der Niederspannungsebene (2021) und Änderungen der DIN 18014/18015 berücksichtigt.

### Was bedeutet das für die Region Hannover?

Die VDE-AR-N 4100 ist eine bundesweit gültige Anwendungsregel — die konkreten Detailanforderungen werden aber durch die technischen Anschlussbedingungen (TAB) der lokalen Netzbetreiber ergänzt. In der Region Hannover sind das hauptsächlich:

### Häufige Fragen zur VDE-AR-N 4100

---
MFM Elektrotechnik e.K. · Hauptstr. 8 · 31515 Wunstorf · +49 5031 705999-0 · https://mfm.energy/
