Der FI-Schutzschalter (auch RCD genannt – Residual Current Device) ist eine der wichtigsten Schutzeinrichtungen im Haus. Er rettet Leben, indem er bei Fehlerströmen blitzschnell abschaltet. Aber: Es gibt verschiedene Typen, und welcher Typ wo eingesetzt werden muss, ist nicht immer offensichtlich. Auf dieser Seite erklären wir die Unterschiede zwischen den FI-Typen A, B, F und EV – und warum die falsche Wahl gefährlich werden kann.
Was macht ein FI-Schutzschalter?
Ein FI-Schutzschalter überwacht ständig die Differenz zwischen dem Strom, der über die Außenleiter (Phasen L1, L2, L3) in einen Stromkreis hineinfließt, und dem Strom, der über den Neutralleiter (N) zurückfließt. Im Normalbetrieb sollten beide gleich groß sein. Wenn ein Mensch einen spannungsführenden Leiter berührt oder ein Gerät einen Isolationsfehler hat, fließt ein Teil des Stroms über den menschlichen Körper oder die Erdung ab – und genau diese Differenz erkennt der FI.
Sobald die Differenz einen voreingestellten Wert übersteigt (typisch 30 mA für Personenschutz), schaltet der FI in Sekundenbruchteilen ab – schnell genug, um lebensgefährliche Verletzungen zu verhindern. Ein FI ist also kein „Stromsparer“ oder „Geräteschutz“, sondern primär ein Personenschutz.
Die vier FI-Typen im Überblick
Es gibt im Wesentlichen vier verschiedene FI-Typen, die für unterschiedliche Anwendungen entwickelt wurden. Der Unterschied liegt in den Arten von Fehlerströmen, die der FI erkennen und bewerten kann.
Typ AC – der „alte“ Standard
Erfasst nur sinusförmige Wechselfehlerströme. War in Deutschland früher Standard, ist heute aber für Neuinstallationen NICHT mehr zugelassen. In Bestandsanlagen darf er weiter betrieben werden, wenn keine Geräte daran angeschlossen sind, die DC-Komponenten erzeugen. In der Praxis empfehlen wir bei einer Modernisierung den Austausch gegen mindestens Typ A.
Typ A – der heutige Mindeststandard
Erfasst sinusförmige Wechselfehlerströme UND pulsierende Gleichfehlerströme bis zu einem bestimmten Glättungsgrad. Typ A ist seit vielen Jahren der Standard im Wohnungsbau und reicht für die allermeisten „normalen“ Anwendungen: Beleuchtung, Steckdosen für Haushaltsgeräte, Elektronik, Heizung. Wo er reicht, gibt es keinen Grund, einen teureren Typ einzusetzen.
Typ F – für Frequenzumrichter
Eine Erweiterung von Typ A. Erfasst zusätzlich gemischte Frequenzen, wie sie von einphasigen Frequenzumrichtern erzeugt werden. Findet Anwendung bei Klimageräten, Wärmepumpen und Haushaltsgeräten mit elektronischer Drehzahlregelung (z. B. moderne Waschmaschinen, Kühlschränke mit Inverter-Kompressor). Wenn ein Gerät ein „F“-Symbol auf dem Typenschild hat oder im Datenblatt auf einen Frequenzumrichter hinweist, sollte der dahinterliegende FI mindestens Typ F sein.
Typ B – allstromsensitiv
Der „große Bruder“. Erfasst alle Arten von Fehlerströmen – einschließlich glatter Gleichströme, die von dreiphasigen Frequenzumrichtern, PV-Wechselrichtern und Gleichrichtern erzeugt werden können. Pflicht überall dort, wo glatte Gleichfehlerströme über 6 mA auftreten können – also bei vielen Wallboxen, dreiphasigen Wärmepumpen und PV-Wechselrichtern ohne galvanische Trennung.
Typ EV – der spezialisierte Wallbox-Typ
Eine kostengünstigere Variante des Typ B speziell für Wallboxen. Er erfasst Gleichfehlerströme bis 6 mA und löst bei höheren Werten ab. Da viele Wallboxen bereits eine integrierte DC-Fehlerstromerkennung haben (oft als „RCD-DD“ oder „RCM“ bezeichnet), reicht dann ein Typ A vor der Wallbox – plus die wallbox-interne DC-Erkennung. Typ EV ist eine Alternative, wenn die Wallbox selbst keine DC-Erkennung mitbringt.
Welcher Typ wo Pflicht ist
Die richtige Auswahl hängt von der Art der angeschlossenen Geräte ab. Hier eine Übersicht für typische Wohnsituationen:
| Anwendung | Empfohlener FI-Typ | Begründung |
|---|---|---|
| Allgemeine Steckdosen Wohnraum | Typ A, 30 mA | Personenschutz, keine speziellen Frequenzeffekte |
| Bad und Feuchtraum (alle Stromkreise) | Typ A, 30 mA – Pflicht | Erhöhte Gefahr durch Feuchtigkeit |
| Außensteckdosen, Garten | Typ A, 30 mA – Pflicht | Personenschutz im Außenbereich |
| Küche mit Elektrogeräten | Typ A oder F | Inverter-Kühlschränke und Spülmaschinen profitieren von Typ F |
| Klimageräte mit Inverter | Typ F | Frequenzumrichter erzeugen gemischte Frequenzen |
| Wärmepumpe (einphasig oder dreiphasig) | Typ B (oder Typ F je nach Hersteller) | Hängt vom Hersteller ab – immer Datenblatt prüfen |
| PV-Wechselrichter | Typ B oder Typ A (je nach Wechselrichter-Architektur) | Galvanisch getrennte Wechselrichter brauchen oft nur Typ A |
| Wallbox ohne integrierte DC-Erkennung | Typ B oder Typ EV | DC-Fehlerstrom muss erkannt werden |
| Wallbox mit integrierter DC-Erkennung (RCD-DD) | Typ A reicht | Die DC-Erkennung übernimmt die Wallbox selbst |
Auslösestrom: 10 mA, 30 mA oder 300 mA?
Neben dem Typ ist auch der Auslösestrom wichtig. Die häufigsten Werte:
10 mA – höchste Empfindlichkeit
Wird in Bereichen mit erhöhter Gefährdung eingesetzt: medizinische Bereiche, Schwimmbäder, Anwendungen mit Kleinkindern. Ein 10-mA-FI löst noch schneller aus als ein 30-mA-Typ und bietet zusätzlichen Schutz. Allerdings kann er bei normalen Lasten häufiger fehlauslösen, wenn die Installation nicht perfekt ist. Im Wohnbau wird er selten verwendet.
30 mA – der Personenschutz-Standard
Der typische Wert für alle Endstromkreise im Wohn- und Gewerbebereich. Bei 30 mA Fehlerstrom löst der FI in maximal 200 ms aus – schnell genug, um lebensgefährliche Stromverletzungen zu verhindern. Im Wohnbau ist 30 mA verpflichtend für Steckdosen mit max. 32 A in allen Wohnräumen, Bädern und im Außenbereich. In Bereichen mit fest angeschlossenen Geräten (z. B. Heizung, Boiler) kann auch ein höherer Wert zulässig sein.
100 mA, 300 mA, 500 mA – Brandschutz
Höhere Auslöseströme sind keine Personenschutz-FIs, sondern dienen dem Brandschutz. Sie kommen in Verteilern, vor Hauptverteilungen oder vor einzelnen Stromkreisen mit hoher Leistung zum Einsatz, wo ein Personenschutz-FI zu häufig fehlauslösen würde. Sie verhindern, dass kleine Fehlerströme über lange Zeit zu einer Erhitzung der Leitungen und damit zu einem Brand führen.
Wann ist ein FI-Tausch sinnvoll?
Drei typische Situationen, in denen wir einen FI-Tausch empfehlen:
1. Bei der Installation neuer Großverbraucher
Wenn Sie eine Wallbox, eine Wärmepumpe oder eine Klimaanlage neu installieren, prüfen wir den vorhandenen FI auf Typ und Auslösestrom. Oft passt der bestehende FI nicht zur neuen Anwendung und muss getauscht werden – das gehört zur fachgerechten Installation dazu.
2. Bei häufigen Fehlauslösungen
Wenn Ihr FI immer wieder auslöst, ohne dass ein offensichtlicher Grund erkennbar ist, kann das mehrere Ursachen haben: ein defektes Gerät, ein falscher FI-Typ (z. B. Typ AC mit modernen Frequenzumrichter-Geräten), Feuchtigkeit in Außenstromkreisen oder ein altersbedingt empfindlicher FI. Wir analysieren die Ursache und tauschen oder ergänzen das Gerät passend.
3. Bei der DGUV-Prüfung
Im Rahmen der DGUV-V3-Prüfung wird der FI auf Funktion getestet. Wenn er die Auslösewerte nicht mehr zuverlässig erreicht (z. B. weil er mechanisch verschlissen ist), muss er getauscht werden. Die Prüfung sollte regelmäßig erfolgen – mindestens einmal im Jahr durch eine Elektrofachkraft, plus der Selbsttest durch den Nutzer alle 6 Monate per Prüftaste.
FI im Bestandshaus: was prüfen wir?
Wenn wir in einem Bestandshaus arbeiten, schauen wir uns immer den vorhandenen FI an. Häufige Befunde und unsere Reaktion:
- Kein FI vorhanden: In sehr alten Häusern (vor 1984 errichtet, ohne Modernisierung) ist oft gar kein FI verbaut. Das war damals nicht Pflicht. Wir empfehlen dringend die Nachrüstung – mindestens für die Stromkreise im Bad, in der Küche und im Außenbereich.
- Nur Typ AC verbaut: In Häusern aus den 1990er- und frühen 2000er-Jahren oft anzutreffen. Reicht für Beleuchtung und einfache Geräte, aber nicht für moderne Elektronik mit Frequenzumrichtern. Tausch auf Typ A empfohlen.
- Auslösewert unklar: Manchmal sind die Bezeichnungen verblasst oder unleserlich. Wir messen den tatsächlichen Auslösewert und tauschen, wenn nötig.
- Mechanisch defekt: Alte FIs können nach 15–20 Jahren mechanisch verschleißen. Wir tauschen sie, sobald die Auslösewerte nicht mehr zuverlässig erreicht werden.