Der FI-Schutzschalter (auch RCD genannt – Residual Current Device) ist eine der wichtigsten Schutzeinrichtungen im Haus. Er rettet Leben, indem er bei Fehlerströmen blitzschnell abschaltet. Aber: Es gibt verschiedene Typen, und welcher Typ wo eingesetzt werden muss, ist nicht immer offensichtlich. Auf dieser Seite erklären wir die Unterschiede zwischen den FI-Typen A, B, F und EV – und warum die falsche Wahl gefährlich werden kann.

Hinweis: Alle Angaben zu Gesetzen, Normen und Förderprogrammen dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernehmen wir keine Gewähr. Stand: April 2026. Lassen Sie sich persönlich beraten →

Was macht ein FI-Schutzschalter?

Ein FI-Schutzschalter überwacht ständig die Differenz zwischen dem Strom, der über die Außenleiter (Phasen L1, L2, L3) in einen Stromkreis hineinfließt, und dem Strom, der über den Neutralleiter (N) zurückfließt. Im Normalbetrieb sollten beide gleich groß sein. Wenn ein Mensch einen spannungsführenden Leiter berührt oder ein Gerät einen Isolationsfehler hat, fließt ein Teil des Stroms über den menschlichen Körper oder die Erdung ab – und genau diese Differenz erkennt der FI.

Sobald die Differenz einen voreingestellten Wert übersteigt (typisch 30 mA für Personenschutz), schaltet der FI in Sekundenbruchteilen ab – schnell genug, um lebensgefährliche Verletzungen zu verhindern. Ein FI ist also kein „Stromsparer“ oder „Geräteschutz“, sondern primär ein Personenschutz.

Wichtige Begriffsklärung: „FI-Schalter“ und „RCD“ sind dasselbe. „FI“ steht für „Fehlerstrom-Schutzschalter“, „RCD“ für „Residual Current Device“ (englisch). Die maßgeblichen Produktnormen sind DIN EN 61008-1 (VDE 0664-10) für RCCBs ohne integrierten Überstromschutz, DIN EN 61009-1 (VDE 0664-20) für RCBOs mit integriertem Überstromschutz und DIN EN 62423 (VDE 0664-40) speziell für Typ-B-Geräte. In der Praxis ist „FI“ weiterhin der gebräuchliche Begriff. Wir benutzen beide synonym.

Die vier FI-Typen im Überblick

Es gibt im Wesentlichen vier verschiedene FI-Typen, die für unterschiedliche Anwendungen entwickelt wurden. Der Unterschied liegt in den Arten von Fehlerströmen, die der FI erkennen und bewerten kann.

Typ AC – der „alte“ Standard

Erfasst nur sinusförmige Wechselfehlerströme. War in Deutschland früher Standard, ist heute aber für Neuinstallationen NICHT mehr zugelassen. In Bestandsanlagen darf er weiter betrieben werden, wenn keine Geräte daran angeschlossen sind, die DC-Komponenten erzeugen. In der Praxis empfehlen wir bei einer Modernisierung den Austausch gegen mindestens Typ A.

Typ A – der heutige Mindeststandard

Erfasst sinusförmige Wechselfehlerströme UND pulsierende Gleichfehlerströme bis zu einem bestimmten Glättungsgrad. Typ A ist seit vielen Jahren der Standard im Wohnungsbau und reicht für die allermeisten „normalen“ Anwendungen: Beleuchtung, Steckdosen für Haushaltsgeräte, Elektronik, Heizung. Wo er reicht, gibt es keinen Grund, einen teureren Typ einzusetzen.

Typ F – für Frequenzumrichter

Eine Erweiterung von Typ A. Erfasst zusätzlich gemischte Frequenzen, wie sie von einphasigen Frequenzumrichtern erzeugt werden. Findet Anwendung bei Klimageräten, Wärmepumpen und Haushaltsgeräten mit elektronischer Drehzahlregelung (z. B. moderne Waschmaschinen, Kühlschränke mit Inverter-Kompressor). Wenn ein Gerät ein „F“-Symbol auf dem Typenschild hat oder im Datenblatt auf einen Frequenzumrichter hinweist, sollte der dahinterliegende FI mindestens Typ F sein.

Typ B – allstromsensitiv

Der „große Bruder“. Erfasst alle Arten von Fehlerströmen – einschließlich glatter Gleichströme, die von dreiphasigen Frequenzumrichtern, PV-Wechselrichtern und Gleichrichtern erzeugt werden können. Pflicht überall dort, wo glatte Gleichfehlerströme über 6 mA auftreten können – also bei vielen Wallboxen, dreiphasigen Wärmepumpen und PV-Wechselrichtern ohne galvanische Trennung.

Typ EV – der spezialisierte Wallbox-Typ

Eine kostengünstigere Variante des Typ B speziell für Wallboxen. Er erfasst Gleichfehlerströme bis 6 mA und löst bei höheren Werten ab. Da viele Wallboxen bereits eine integrierte DC-Fehlerstromerkennung haben (oft als „RCD-DD“ oder „RCM“ bezeichnet), reicht dann ein Typ A vor der Wallbox – plus die wallbox-interne DC-Erkennung. Typ EV ist eine Alternative, wenn die Wallbox selbst keine DC-Erkennung mitbringt.

Welcher Typ wo Pflicht ist

Die richtige Auswahl hängt von der Art der angeschlossenen Geräte ab. Hier eine Übersicht für typische Wohnsituationen:

Anwendung Empfohlener FI-Typ Begründung
Allgemeine Steckdosen Wohnraum Typ A, 30 mA Personenschutz, keine speziellen Frequenzeffekte
Bad und Feuchtraum (alle Stromkreise) Typ A, 30 mA – Pflicht Erhöhte Gefahr durch Feuchtigkeit
Außensteckdosen, Garten Typ A, 30 mA – Pflicht Personenschutz im Außenbereich
Küche mit Elektrogeräten Typ A oder F Inverter-Kühlschränke und Spülmaschinen profitieren von Typ F
Klimageräte mit Inverter Typ F Frequenzumrichter erzeugen gemischte Frequenzen
Wärmepumpe (einphasig oder dreiphasig) Typ B (oder Typ F je nach Hersteller) Hängt vom Hersteller ab – immer Datenblatt prüfen
PV-Wechselrichter Typ B oder Typ A (je nach Wechselrichter-Architektur) Galvanisch getrennte Wechselrichter brauchen oft nur Typ A
Wallbox ohne integrierte DC-Erkennung Typ B oder Typ EV DC-Fehlerstrom muss erkannt werden
Wallbox mit integrierter DC-Erkennung (RCD-DD) Typ A reicht Die DC-Erkennung übernimmt die Wallbox selbst
Häufige Fehlentscheidung bei der Wallbox: Manche Installateure verbauen aus Kostengründen einen Typ A vor einer Wallbox, die KEINE integrierte DC-Erkennung hat. Das ist normwidrig und im Schadensfall ein klares Versicherungsproblem. Die Differenz zwischen Typ A und Typ B kostet einige hundert Euro – aber die Sicherheit ist es wert.

Auslösestrom: 10 mA, 30 mA oder 300 mA?

Neben dem Typ ist auch der Auslösestrom wichtig. Die häufigsten Werte:

10 mA – höchste Empfindlichkeit

Wird in Bereichen mit erhöhter Gefährdung eingesetzt: medizinische Bereiche, Schwimmbäder, Anwendungen mit Kleinkindern. Ein 10-mA-FI löst noch schneller aus als ein 30-mA-Typ und bietet zusätzlichen Schutz. Allerdings kann er bei normalen Lasten häufiger fehlauslösen, wenn die Installation nicht perfekt ist. Im Wohnbau wird er selten verwendet.

30 mA – der Personenschutz-Standard

Der typische Wert für alle Endstromkreise im Wohn- und Gewerbebereich. Bei 30 mA Fehlerstrom löst der FI in maximal 200 ms aus – schnell genug, um lebensgefährliche Stromverletzungen zu verhindern. Im Wohnbau ist 30 mA verpflichtend für Steckdosen mit max. 32 A in allen Wohnräumen, Bädern und im Außenbereich. In Bereichen mit fest angeschlossenen Geräten (z. B. Heizung, Boiler) kann auch ein höherer Wert zulässig sein.

100 mA, 300 mA, 500 mA – Brandschutz

Höhere Auslöseströme sind keine Personenschutz-FIs, sondern dienen dem Brandschutz. Sie kommen in Verteilern, vor Hauptverteilungen oder vor einzelnen Stromkreisen mit hoher Leistung zum Einsatz, wo ein Personenschutz-FI zu häufig fehlauslösen würde. Sie verhindern, dass kleine Fehlerströme über lange Zeit zu einer Erhitzung der Leitungen und damit zu einem Brand führen.

Selektivität: Wenn mehrere FIs in Reihe geschaltet sind (z. B. ein 300-mA-FI im Hauptverteiler vor mehreren 30-mA-FIs in den Endstromkreisen), muss der „obere“ FI selektiv sein – also nur dann auslösen, wenn der „untere“ nicht reagiert. Selektive FIs sind speziell gekennzeichnet (mit einem „S“ für selektiv) und teurer als normale Typen. Wir planen die Selektivität immer so, dass im Fehlerfall nur der jeweils nächstgelegene FI auslöst – und der Rest des Hauses weiterläuft.

Wann ist ein FI-Tausch sinnvoll?

Drei typische Situationen, in denen wir einen FI-Tausch empfehlen:

1. Bei der Installation neuer Großverbraucher

Wenn Sie eine Wallbox, eine Wärmepumpe oder eine Klimaanlage neu installieren, prüfen wir den vorhandenen FI auf Typ und Auslösestrom. Oft passt der bestehende FI nicht zur neuen Anwendung und muss getauscht werden – das gehört zur fachgerechten Installation dazu.

2. Bei häufigen Fehlauslösungen

Wenn Ihr FI immer wieder auslöst, ohne dass ein offensichtlicher Grund erkennbar ist, kann das mehrere Ursachen haben: ein defektes Gerät, ein falscher FI-Typ (z. B. Typ AC mit modernen Frequenzumrichter-Geräten), Feuchtigkeit in Außenstromkreisen oder ein altersbedingt empfindlicher FI. Wir analysieren die Ursache und tauschen oder ergänzen das Gerät passend.

3. Bei der DGUV-Prüfung

Im Rahmen der DGUV-V3-Prüfung wird der FI auf Funktion getestet. Wenn er die Auslösewerte nicht mehr zuverlässig erreicht (z. B. weil er mechanisch verschlissen ist), muss er getauscht werden. Die Prüfung sollte regelmäßig erfolgen – mindestens einmal im Jahr durch eine Elektrofachkraft, plus der Selbsttest durch den Nutzer alle 6 Monate per Prüftaste.

FI im Bestandshaus: was prüfen wir?

Wenn wir in einem Bestandshaus arbeiten, schauen wir uns immer den vorhandenen FI an. Häufige Befunde und unsere Reaktion:

  • Kein FI vorhanden: In sehr alten Häusern (vor 1984 errichtet, ohne Modernisierung) ist oft gar kein FI verbaut. Das war damals nicht Pflicht. Wir empfehlen dringend die Nachrüstung – mindestens für die Stromkreise im Bad, in der Küche und im Außenbereich.
  • Nur Typ AC verbaut: In Häusern aus den 1990er- und frühen 2000er-Jahren oft anzutreffen. Reicht für Beleuchtung und einfache Geräte, aber nicht für moderne Elektronik mit Frequenzumrichtern. Tausch auf Typ A empfohlen.
  • Auslösewert unklar: Manchmal sind die Bezeichnungen verblasst oder unleserlich. Wir messen den tatsächlichen Auslösewert und tauschen, wenn nötig.
  • Mechanisch defekt: Alte FIs können nach 15–20 Jahren mechanisch verschleißen. Wir tauschen sie, sobald die Auslösewerte nicht mehr zuverlässig erreicht werden.
Unser Bestandshaus-Check: Wenn Sie ein Bestandshaus kaufen oder sanieren wollen, kommen wir vor Ort, prüfen den Zählerschrank, alle Stromkreise und die FI-Schalter. Sie bekommen ein Protokoll mit Empfehlungen und können entscheiden, was Sie umsetzen wollen. So vermeiden Sie böse Überraschungen nach dem Kauf.

Häufige Fragen zu FI-Schutzschaltern

FI-Schalter prüfen oder modernisieren?

Termin anfragen

Weiterführende Themen